Handschrift ist Bewegung
Die ersten Schritte waren furchtbar. Als Kind war ich unbeweglich, ruhig, still. Weder feinmotorisch noch grobmotorisch gut. In der Grundschule war meine Schrift eine Katastrophe. Die Schrift bekam keine Noten. Anders als bei Vater und Mutter gab es keine Schönschrift mit Benotung.
Etwas Einfluss hatten die Lehrer aber doch. Texte und Rechenschritte müssen lesbar sein, um nachvollzogen werden zu können. Später, auf dem Weg zum Fachabitur und im Studium schreibt man, um es später wieder lesen zu können. Nicht ein wenig, sondern viel, seitenweise. Skizzen, viele, viele Rechenschritte, riesige Brüche.
Dann wird der Text aber immer mehr getippt, als Dokument, als Datei, ausgedruckt. Die Schrift verliert dann die Individualität. Was vorher durchstreichen bedeutete, wird unsichtbar, löschbar, umformulierbar. Das ist gut, weil das durchstreichen und tintenkillern in der Schule furchtbar war. Nur verliert man mit dem tippen, editieren, austauschen, kopieren, einfügen, die Entstehung und die Veränderung. Ein in einem Schritt handschriftlich durchformulierter Satz ist nicht perfekt, aber gut, gradlinig und diszipliniert in einem Gedanken hintereinander weg entstanden.
Heute ist Handschrift für mich Individualität, Tun, Bewegung. Es ist der Luxus, tun zu dürfen, was sonst kein anderer auf der Welt genau so tun kann. Meine Handschrift.



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